Lesekönig-Wettbewerb (aus den Niederrhein Nachrichten)

Dumdidadibumdidabidum …

Ein Lese-König wird gesucht. Vorher allerdings darf gesungen werden.

KRANENBURG. Darf man Spoilern? Warum eigentlich nicht. (Ach ja: Spoilern heißt, dass einer gemein ist und zum Beispiel bei einem Krimi gleich am Anfang den Täter nennt. Das ist dann doof für die anderen.) Also: Am Ende vergab die Jury sechs Urkunden.

Schreiben wir‘s mal so: Auch an der Christophorus Grundschule in Kranenburg wurde ein Lese-König gesucht. Angetreten waren sechs Königsanwärter (seien wir genau: drei Anwärter und drei Anwärterinnen) aus den Klassen 3a (22 Schüler) und 3b (23 Schüler). Aber Kranenburg wäre nicht Kranenburg, wenn es gleich mit dem Lesen anfinge. Die Kandidaten haben eine Vorgruppe: Das Publikum singt unter fachdidaktischer Anleitung. Im Text geht es um Sonne und Wärme. (Das ist mal eine gute Idee.) Der Chor demonstriert dynamische Disziplin. Den Handbewegungen der Lehrerin folgend, schwillt der Pegel an (Hände entfernen sich von einander) oder ab (die Hände bewegen sich aufeinander zu. Dazu lautmalerischer Sprechgesang auf der Zielgeraden: Dumdidadibumdida.
Dann das Eigentliche: Die Reflektanten. Das muss man übersetzen. Beim Schützenfest sind das diejenigen, die am Schluss antreten, um am finalen Königschießen teilzunehmen. Man könnte auch von Bewerbern sprechen. Es treten an (und auf): Bennet Breuckmann (3b), Lenard Loman (3a), Madelief Vrakking (3b), Nilav Khatri (3a), Johanna Tünnißen (3b) und Arne Peters. Ein interneationales Ensemble: Nepal, Niederlande, Deutschland und die Staaten. Wow.
Vorher wird das Publikum lehrerlicherseits angesprochen: „Ihr könnt euch ja alle mal überlegen, wie ihr die Kandidaten bewerten würdet. Ihr wisst ja, worauf es ankommt.“ Dann die Kandidaten. Und richtig – sie wissen, worauf es ankommt. Publikumskontakt zum Beispiel: Immer mal wieder hoch mit dem Blick. Der Trick: Danach zurück in den Text finden.
Die einen machen‘s mit dem Führungsfinger – die anderen legen einen respektablen „Blindflug“ hin. Ziemlich überzeugend. Natürlich wissen sie auch alle, dass Vorlesen (im Gegensatz zum Lesen) ein bisschen was mit Lautstärke zu tun hat. Aber mitunter geht Wissen im Lampenfieber unter. „Der Arne hat super gelesen“, ist sich die Jury einig, „aber ein bisschen lauter hät`s schon sein dürfen.“
Am Ende (ist das eigentlich eine Premiere?) werden sechs Urkunden geschrieben. Die Leistungen: Zu eng beieinander. Der Sieger allerdings hat schon für Abstand gesorgt. Der Bennet hat ja nicht einfach gelesen. Der ist ja selber zum Textbaustein geworden. Der hat zwischendrin auch gesungen. Un-glaub-lich. Der ging ja richtig ab mit dem Text. Ja – in den Bewertungskriterien für die Juroren steht: Bewertet wird gutes Vorlesen und nicht Schauspielerei … aber der Bennet hat das Vorlesen schon irgendwie zum Erlebnis gemacht.
Zwischendrin hat‘s übrigens mal eine kurze Pause gegeben: Der Schulgong hat sich pausenkündigend zu Wort gemeldet. Gelegenheit, die Konzentration abzuschalten, den Lautstärkepegel hochzufahren und die still gehaltenen Körper in Bewegung zu bringen. Danach: Kleiner Choreinsatz und Schlussrunde.
Als die Jury am Schluss die Platzierung (natürlich in umgekehrter Reihenfolge) verlautbart, weiß der Sieger, als fünf Urkunden vergeben sind, dass er‘s geschafft hat. Die Arme fliegen hoch. Das Publikum spendet Begeisterungsapplaus. Sieht so aus, als hätte der Bennet auch den Publikumspreis abgeräumt (wenn es ihn denn gäbe). Alles passt. Tschökes. Bis zum nächsten Jahr.