Pädagogisches Handlungskonzept

für das bilinguale Lernen an der Christophorus-Schule, GGS Kranenburg

1. Leitbild

Als Gemeinschaftsgrundschule im grenznahen Bereich wollen wir im Sinne eines gelebten Europas die Vorteile beider Kulturen nutzen und den daraus erwachsenden, speziellen Anforderungen gerecht werden durch:

  • ein schulisches Angebot, das die sprachlichen Voraussetzungen einer multilingualen Schülerschaft berücksichtigt, speziell zur Integration niederländischer Schüler
  • interkulturelles Lernen und Begegnung mit der niederländischen Sprache (BmS-Konzept)
  • qualitativ hochwertige individuelle Förderung aller Kinder im „offenen Ganztag“ durch Mitarbeiter verschiedener Professionen aus „Kunst, Kultur und Handwerk“
  • themenbezogenes Arbeiten und beziehungsförderndes Lernen

Handlungsbedarf:

Im Schuljahr 2005/2006 wurden 24 in Kranenburg wohnende, niederländische Kinder von der deutschen Schulpflicht befreit und besuchen eine  Schule in den Niederlanden. Die Eltern nannten folgende Gründe:

  • der Lebensmittelpunkt soll weiterhin in den Niederlanden bleiben,
  • mangelnde Deutschkenntnisse – sprachliche Kompetenz zum erfolgreichen Besuch einer deutschen Grundschule,
  • Verlust der niederländischen Muttersprache und mangelnde Kompetenz zur Teilhabe an weiterführender Bildung in den NL,
  • kostenlose, durch Lehrer betreute Ganztagsschule in den Niederlanden,
  • keine Hausaufgaben in den niederländischen Grundschulen,
  • Einschulungsalter in den Niederlanden: Beginn des 4.Lebensjahres; zu Beginn der deutschen Schulpflicht besuchen viele Kinder bereits niederländische Schulen,

Die o.g. Gründe müssen weitestgehend in einem schulischen Angebot berücksichtigt werden. In Zusammenarbeit mit der OGS entstand so der bilinguale Zug.
Die Christophorus-Schule Kranenburg übernimmt Verantwortung für ihre Kinder. Sie arbeitet kontinuierlich daran, ihnen eine qualifizierte Vielfalt von Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz zu vermitteln, um sie für das Leben jetzt und in der Zukunft stark zu machen.
Die offene Ganztagsgrundschule unterstützt den schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrag im Kontext der Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule. Die offene Ganztagsschule stellt sich den Herausforderungen einer sich verändernden multikulturellen Lebenswelt. Sie unterstützt und entlastet Familien und erleichtert die Teilhabe am beruflichen, kulturellen und sozialen Leben. Durch ausbalancierte Angebote im musisch – ästhetischen und weltaufschließenden, lebenspraktischen Bereichen und durch begleitende stützende Angebote vermittelt sie entwicklungsnotwendige Erfahrungen.

2. Drama:  Kunst – Musik – Theater –Kultur

Es ist unbestritten und längst bekannt, dass sich kulturelle Bildung und gerade künstlerische Aktivitäten positiv auf die Intelligenzentwicklung und auf das Lernverhalten auswirken.
Bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur leisten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von Kindern. Kinder, die ihre kreativen Potentiale kennen und entwickeln dürfen, werden verantwortungsbewusste, selbstständige Erwachsene, die das Leben in unserer Gesellschaft mitgestalten und ein erfülltes vielfältiges Leben führen. Deshalb haben wir das niederländische Fach „Drama“ für alle Kinder unserer Schule in unser Schulprogramm aufgenommen.
Ästhetische Erziehung, Kreativitätsförderung und Wahrnehmungsschulung sind wichtige Aspekte des Bildungsauftrags und werden bereits jetzt auf hohem Niveau eingelöst. Im Rahmen des OGT soll der ästhetischen Erziehung zusätzlicher Raum gegeben werden, auch durch die Nutzung außerschulischer Lernorte in der näheren Umgebung.

Hans Günther Bastian hat unlängst in seiner sechsjährigen Langzeitstudie bewiesen, dass Musik „klüger macht“ und die soziale Kompetenz und Intelligenz von Kindern steigern kann, wenn sie mindestens 4 Jahre aktiv musiziert haben.
Musikalische Grundausbildung wird seit Jahren in den Räumen der Christophorus Schule angeboten und sollte durch weitere Angebote ergänzt werden.

Theaterarbeit führt zu Selbstbewusstheit und Eigenverantwortung. Die Wahrnehmungsfähigkeit wird geschärft, das Theaterspiel, die Inspiration, die Bühne wird zum sozialen Lernfeld.
Die Zusammenarbeit mit einem Kinder – und Jugendtheater der Region sollte und könnte angestrebt werden und würde das bestehende Schulprogramm erweitern im Sinne einer ästhetischen und kulturellen Schule.

3. Bilingualer Zug

Das Projekt wird in Form eines Ganztagszuges durchgeführt. Dadurch können nicht nur personelle Ressourcen gebündelt werden, sondern es ergibt sich die Möglichkeit, eine kindgemäße Rhythmisierung des auch inhaltlich angereicherten Ganztags zu erreichen. Der Regelunterricht basiert auf den für eine deutsche Schule verpflichtenden Richtlinien und Lehrplänen. Leitsprache des Unterrichts ist die deutsche Sprache.

Zunächst bezog sich das Projekt auf die Schuleingangsstufe, in der an unserer Schule jahrgangs-übergreifend, also durchweg offen und individualisiert, unterrichtet wird. Im Schuljahr 07/08 wurde als Übergangsangebot für die Drittklässler, die den bilingualen Zug im Zusammenhang mit der flexiblen Eingangsstufe besuchten die Möglichkeit geschaffen, 3 Stunden wöchentlich ihre bilingualen Kompetenzen in der OGS zu erweitern.
Seit vielen Jahren findet bilinguales Lernen bereits von Klasse 1 bis Klasse 4 statt. Im Rahmen des bilingualen Lernens haben die Kinder 2 Stunden Niederländisch, 1 Stunde Drama und 2 Stunden bilingualen Unterricht, in dem deutsche und niederländische KollegInnen im teamteaching zweisprachig unterrichten.

Sprachenwechsel als Gelegenheitsunterricht

  • Im themenorientierten Regelunterricht soll für niederländische Kinder die Erstsprache zugelassen werden zu genau vereinbarten Anlässen und in einem festen zeitlichen Rahmen. Bestimmte Inhalte (z.B. Feste, Tiere, Frühstück, Spiele) können in der eigenen Sprache erarbeitet, bearbeitet, weiterentwickelt, miteinander verglichen, dargestellt, vorgestellt, veröffentlicht werden.
    Der Sprachenwechsel soll schwerpunktmäßig ermöglicht werden in den Fächern Sachunterricht (Teilinhalte bei projektorientiertem Unterricht), Deutsch (Umgang mit Texten, besonders Bilderbücher, mündliches Sprachhandeln) und Musik und in den Bereichen Freie Arbeitszeit, Wochenplan und Lernwerkstatt.
  • Teamteaching einer niederländischen und einer deutschen Lehrkraft mit niederländischen Sprach-kenntnissen im Regelunterricht ist unabdingbar.
  • Für deutsche Kinder findet der Kontakt zur Fremdsprache Niederländisch im Rahmen des BmS – Konzepts statt.
    Fremdsprachliches Lernen verselbständigt sich dann nicht und wird nicht zu einer formalen Übung, sondern wird verknüpft mit meaningful opportunities, also Lerngelegenheiten des schulischen Lernens und Lebens.
    Sprachliches Lernen dient so dem Erwerb kommunikativer und in Realsituation verwendbarer sprachlicher Kompetenz. Konsequenterweise liegen die Schwerpunkte in der Eingangsstufe somit in den Bereichen Hörverstehen und Sprechen.
  • Muttersprachlicher Unterricht Niederländisch

Ziele:

      • Weiterentwicklung der Muttersprache und Würdigung des Vorwissens (kein Defizitblick)
      • Anlehnen an die verbindlichen Anforderungen der niederländischen Basisschool nach groep 6 (Klasse 4) und somit die Möglichkeit der Reintegration in das niederländische Schulsystem

Schwerpunkte:

    • Vermittlung der niederländischen Schriftsprache und Stärkung der Lesekompetenz
    • Teilnahme an zweisprachigen Arbeitsgemeinschaften
    • Individuelles Arbeiten am PC mit niederländischer Lernsoftware
    • Schüler führen einen Sprachenpass als Nachweis des muttersprachlichen Unterrichts
    • Der Unterricht wird erteilt durch eine niederländische Lehrkraft

 

Integrationsstunden für niederländische Schüler:

  • Vermittlung sprachlicher Normen und der deutschen Schriftsprache zur Vermeidung von Interlanguage und Fossilierung
  • Schwerpunkt in der Eingangsstufe, täglich erteilt
  • Öffnung für alle Migranten und deutsche Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf
  • Bei eventueller Ausweitung im Rahmen der Ausländerförderung für Klasse 3 und 4
  • Unterricht wird erteilt durch eine deutsche Lehrkraft

Zusammenarbeit mit den Kindergärten

Ein wesentliches Problem ist die Einschulungsmöglichkeit der 4-jährigen Kinder in der niederländischen Schule, da diese Schüler beim Erreichen der Schulpflicht nicht mehr in der deutschen Schule angemeldet werden.
In Anlehnung an das niederländische Einschulungsalter und zur erfolgreichen Teilnahme am Unterricht in der Grundschule ist eine konzeptionelle Einbindung der örtlichen Kindergärten wünschenswert, die auf die Förderung der niederländischen Kinder abgestimmt ist. Da oft keine Probleme in der Alltagssprache vorkommen, werden sprachliche Probleme niederländischer Kinder oft erst im Grundschulalter offensichtlich.
Alle Kindergärten der Gemeinde Kranenburg haben die Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert. Bereits bestehende Konzepte einzelner Einrichtungen sollen entsprechend überarbeitet und angepasst werden.

4. Zeitstruktur für den Schulalltag

Der Schultag soll folgende Rhythmisierungselemente enthalten: Unterrichtsblockung zu 90- Minuten-Einheiten, um längerfristige Lern- und Arbeitsprozesse zu ermöglichen, Pausen mit Spiel- und Bewegungsangeboten sowie integrierte, feste Frühstückszeit, Mittagessen / Lunch, Hausaufgabenzeit / Unterricht am Montag, Dienstag, Donnerstag für die bilingualen Kinder, Zeiten zur freien Gestaltung (Entspannung, Stille- und Bewegungsphasen) und für gemeinsame Aktivitäten (auch projektorientiert): Eine Übersicht zum Tagesablauf finden Sie hier.

Zeitstruktur für den Schulalltag im bilingualen Zug

Der bilinguale Zug als freiwilliges Angebot für deutsche und niederländische Kinder soll für alle teilnehmenden Schüler im Rahmen des Ganztags verpflichtend sein, da nur dann das Ziel einer kindgemäßeren Rhythmisierung erreicht werden kann.
Elemente des Regelunterrichts sollen in den Nachmittagsbereich übernommen werden, so dass eine bessere Tagesstruktur durch veränderte Pausen-, Unterrichts- und Mittagszeiten erreicht werden kann.
Die Arbeitsgemeinschaften in deutscher und niederländischer Leitsprache stehen  allen betreuten Kindern offen, so dass eine Integration des Zuges in die offene Ganztagsschule gewährleistet ist.

5. Personalkonzept

Die Umsetzung der pädagogischen Schwerpunkte und Zielsetzungen in der Bildungs- und Erziehungsarbeit erfolgt in der offenen Ganztagsschule durch Personen folgender Professionen:

  • Qualifiziertes pädagogisches Personal (Erzieher, Sozialpädagogen, Lehrer) für die Hausaufgabenbetreuung
  • Leitung der Angebote durch qualifizierte Profession
  • keine ehrenamtliche Leitung der Angebote (Verlässlichkeit)
  • eine verantwortliche Koordinatorin (Teamleiterin)
  • Integrationsstunden werden durch eine deutsche Lehrkraft erteilt.

Aufgabe der niederländischen, zweisprachigen Lehrkraft:

  • Diagnose, individuelle Förderpläne, Benotung
  • Elternberatung
  • Sprachenpass
  • Teamteaching
  • muttersprachliche Betreuung
  • Fremdsprachenunterricht Niederländisch

Grundsätzlich gilt die Weisungsbefugnis der Schulleitung.