Gemeinsames Lernen

Es ist Dienstagvormittag und die 3a hat gerade Mathe, als es zur Hofpause schellt. Matthias trägt Kopfhörer und hat die dritte Aufgabe bei kippelndem Stuhl fast erledigt. Herr Sommer legt ihm die Hand auf den Arm und zeigt auf den Kopfhörer. „Du hast Pause,“ sagt er zu Matthias. Matthias reißt den Kopfhörer herunter und will sofort losrennen, aber Herr Sommer hält ihn zurück. „Schau mal, die anderen räumen auch erst ihre Sachen weg, das machen wir jetzt auch.“ Er hilft Matthias, sein Arbeitsmaterial an den richtigen Platz zu räumen und achtet danach darauf, dass Matthias auch seine Schuhe anzieht, bevor er auf den Hof rennt. Herr Sommer ist Integrationshelfer und unterstützt Matthias in der Schule bei alltäglichen Handgriffen. Denn Matthias ist ein sogenanntes Integrationskind. Er ist lernbehindert und besucht trotz dieser Einschränkungen eine Regelschule.

Was Gemeinsames Lernen für unsere Schule bedeutet

Auch an unserer Schule gibt es Kinder wie Matthias, die im Unterricht begleitet werden und einen besonderen Förderbedarf haben. Als im Jahr 2009 die Bundesregierung die UN-Behindertenrechtskonvention durch das Bekenntnis zu einem inklusiven Bildungssystem unterstützt hat, waren wir eine der ersten Schulen in der Region, die das Gemeinsame Lernen bereits seit Jahren in der Praxis umgesetzt hatten. Gemeinsames Lernen bedeutet für uns, das behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Damit unterstützen wir den Inklusionsgedanken, der vorsieht, dass Menschen mit Behinderungen selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind.

Wenn Sie Interesse an weitreichenden Informationen zu diesem Thema haben, empfehlen wir Ihnen gerne die Seite einfach-teilhaben.de. Auf dieser Seite erläutert die Bundesregierung die Grundsätze von Inklusion und Teilhabe.

Wie Gemeinsames Lernen im Alltag aussieht

Das Gemeinsame Lernen im Klassenverband wird an unserer Schule häufig als sogenanntes Team-Teaching gestaltet. Dabei bilden LehrerIn und SonderpädagogIn ein gemeinsames Team. Wo nötig, werden die Themen in Kleingruppenförderungen oder auch in Einzelförderungen nachbearbeitet.

Durch unterstützende Maßnahmen können wir günstige Bedingungen  für das Gelingen des Gemeinsamen Lernens schaffen. Zu diesen Maßnahmen zählen an unserer Schule folgendes:

  • offene Unterrichtsformen: Freiarbeit, Wochenplan, Werkstätten, Lernarrangements
  • Formen des Kooperativen Lernens
  • Fächerübergreifender Unterricht
  • Maßnahmen der inneren und äußeren Differenzierung
  • Teamsitzungen zwecks Absprachen
  • Vernetzung aller Beteiligten: Eltern, Kind, Lehrer, Therapeuten, Schulsozialarbeit… (Elternarbeit, Kooperation mit weiteren Institutionen…)
  • Transparenz und Offenheit

Was bedeutet Gemeinsames Lernen für Ihr Kind?

Durch Gemeinsames Lernen bieten wir allen Kindern die Möglichkeit, eine Vielfalt an Persönlichkeiten kennen und schätzen zu lernen und einander durch ihre Verschiedenheiten zu bereichern. So erhalten alle SchülerInnen die Möglichkeiten:

  • Toleranz, Kooperationsfähigkeit und soziale Kompetenz im schulischen Miteinander zu erleben und zu erlernen
  • Unterschiedliche Ausdrucksformen und Verhaltensmuster kennen- und akzeptieren zu lernen
  • Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zu erfahren und zu erlernen, sowie Konflikte zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten zu erproben
  • Individuelle Leistungsfähigkeit und Anforderungen für sich und andere zu akzeptieren, sowie die Vorbildfunktion von MitschülerInnen für ihr Lernen zu nutzen
  • Individuelle Förderung auf unterschiedlichen Lernniveaus und vielfältige Angebote zu erfahren

 

Wir verstehen Benachteiligungen und Unterschiede oder vielmehr Vielfalt als Lern- und Entwicklungschance für alle Kinder in unterschiedlichsten Zusammenhängen. Wir machen täglich die Erfahrung, dass Schüler immer wieder neue, ungeahnte Potenziale im „Anderen“ entdecken und somit auf natürlichem Wege win-win-Situationen schaffen.

Unsere Arbeit beruht auf den Grundsätzen des sozialen, kooperativen Lernens. Wir erleben aktiv, dass sich Kinder dort am besten entwickeln, wo sie wertgeschätzt und respektvoll behandelt werden. Im achtsamen und demokratischen Miteinander gelingen Wachsen und Lernen in Gemeinschaft trotz oder gerade durch die Vielfalt. Daran glauben wir.

„Es ist normal, verschieden zu sein“

(Richard von Weizsäcker)